Schwere Fehler im Lebenslauf, die Sie aus dem Auswahlverfahren werfen
Es war im Oktober 2005, als ich meine ersten Lebensläufe las. Ich suchte die erste Person, die ich für ein Start-up einstellen wollte, das ich wenige Wochen zuvor voller Begeisterung gegründet hatte. Seitdem sind mehr als 15 Jahre vergangen, in denen ich als Unternehmer, Manager in einem multinationalen Konzern, CEO oder Berater direkt eingestellt oder Auswahlverfahren für Tausende von Stellen geleitet habe. Ich habe Operations Manager und Vertriebsmitarbeiter eingestellt, Reinigungskräfte und Sekretärinnen, Projektmanager und Programmierer, Produktmanager und HR-Spezialisten, Geschäftsführer und Trainer. Mein Team und ich haben über 100.000 Lebensläufe gelesen und insgesamt Zehntausende Stunden in Vorstellungsgesprächen verbracht. Ich habe hervorragende Menschen kennengelernt und eingestellt, die in ihrer Karriere glänzten – ebenso wie Bewerber, die schlecht vorbereitet waren oder einfach nicht zur angestrebten Position passten.
In diesen Jahren habe ich gelernt, dass einstellende Manager oft Hunderte von Lebensläufen durchgehen müssen, bevor sie wenigstens ein paar gute finden. Gleichzeitig kann ein schwacher Lebenslauf für sie sogar etwas Gutes sein: Sie können ihn aussortieren und schnell zum nächsten übergehen.
Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Lebenslauf im Papierkorb landet, vermeiden Sie diese fünf großen Fehler, die Sie wie einen schwachen Kandidaten aussehen lassen:
1. Ein unpassender Lebenslauf-Titel
Ihr Titel gehört an den Anfang des Lebenslaufs, direkt unter Ihre Kontaktdaten.
Die Schlüsselwörter in Ihrem Titel verraten Recruitern sofort, ob Sie ein idealer Kandidat für die Stelle sind. Bewerben Sie sich zum Beispiel auf eine als „Senior Brand Manager“ ausgeschriebene Position und trägt Ihr Lebenslauf selbstbewusst den Titel „Brand Marketing Manager“, werden Recruiter sehr wahrscheinlich weiterlesen und sich Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen ansehen.
Lautet Ihr Titel dagegen „Social Media Manager“, werfen Recruiter vielleicht trotzdem einen Blick darauf (sofern es Gemeinsamkeiten zwischen beiden Stellen gibt), sind aber deutlich weniger überzeugt, dass Sie wirklich gut passen.
2. Fehlende Soft Skills und Hard Skills
Hard Skills beziehen sich auf technisches Wissen und Ausbildung (z. B. Photoshop, Excel), während Soft Skills eher persönliche Arbeitseigenschaften sind (z. B. Führungsstärke, Zeitmanagement). Ich empfehle stets ein Verhältnis von 2:1 – auf zwei Hard Skills kommt ein Soft Skill.
Lebensläufe, die mit Soft Skills überladen sind, wecken Misstrauen. Sehen Recruiter nur Soft Skills und keine fachlichen Kompetenzen, beginnen sie, das Kompetenzniveau des Bewerbers zu hinterfragen. Schließlich wollen wir jemanden einstellen, der auch konkret etwas kann.
Andererseits kann eine reine Auflistung von Hard Skills ohne Soft Skills Sie eindimensional wirken lassen – und womöglich so, als würden Sie sich schwer in ein bereits eingespieltes Team einfügen.
3. Ein zu buntes oder überladenes Design
Zu viele Farben, zu grelle Farben, Fotos von einer Hochzeit oder aus dem Park, zu viele Linien oder Formen in alle Richtungen – all das lässt Bewerber so wirken, als würden sie sich zu sehr anstrengen.
Die meisten einstellenden Manager können bunte, überladene Lebensläufe nicht leiden. Viele Menschen reichen solche Lebensläufe ein, um „aufzufallen“. Doch so funktioniert das nicht.
Letztlich geht es, wie bei jeder Kommunikation, um die Zielgruppe. In der Regel ist ein schlichtes Format besser (z. B. schwarzer Text auf weißem Grund, klare Linien, eine einheitliche Schrift). In manchen Branchen wie Grafikdesign oder Werbung darf Ihr Lebenslauf dagegen Ihre Kreativität und Ihre Fähigkeit zeigen, genau die Art von Arbeit zu leisten, die der Job verlangt. Mein Rat ist einfach: Übertreiben Sie es nicht! Wahren Sie das Maß.
4. Falsche Formatierung und Grammatikfehler
Hier einige der häufigsten Formatierungs- und Grammatikfehler, auf die Sie achten sollten:
- Verwendung von Personalpronomen. Üblich ist es, Pronomen wie „ich“, „mein“ oder „mir“ wegzulassen. Schreiben Sie also statt „Ich habe digitale Marketingkampagnen umgesetzt“ einfach „Umsetzung der digitalen Marketingkampagnen des Unternehmens“.
- Zahlen in Worten ausschreiben. Das erschwert es, messbare Erfolge im Lebenslauf zu erkennen, und kostet wertvollen Platz. Verwenden Sie immer Ziffern.
- Aufzählungspunkte ohne starkes Aktionsverb. Beginnen Sie jeden Punkt mit einem kraftvollen Verb, zum Beispiel: unterstützt, beaufsichtigt, eingesetzt, geleitet, analysiert.
- Falsche Zeitformen. Auch wenn es nach einer einfachen Korrektur klingt, machen viele Bewerber diesen Fehler. Verwenden Sie für Ihre aktuelle Tätigkeit stets das Präsens und für frühere Stellen die Vergangenheitsform.
- Zu lang oder zu kurz. Halten Sie Ihren Lebenslauf bei ein bis zwei vollen Seiten. Haben Sie wenig Erfahrung und möchten trotzdem genug Inhalt bieten, erwähnen Sie Studienkurse, ehrenamtliche Tätigkeiten oder sogar Hobbys (sofern Sie einen Bezug zur angestrebten Stelle herstellen können). Blicken Sie dagegen schon auf eine längere Karriere zurück, verzichten Sie bei Stellen, die mehr als 10 Jahre zurückliegen, auf detaillierte Aufgabenbeschreibungen (die ohnehin meist aus Stellenbeschreibungen kopiert sind), um die maximal 2 Seiten einzuhalten. Niemanden interessiert, was Sie vor 16 Jahren als Callcenter-Agent zu tun hatten. Und noch etwas: Wenn Sie einen Master in Elektrotechnik haben, müssen Sie Ihren Schulabschluss nicht mehr erwähnen.
5. Kein LinkedIn-Profil
Ihr LinkedIn-Profil gehört in den oberen Bereich des Lebenslaufs, zu Ihren Kontaktdaten (und Ihrer beruflichen Website, falls vorhanden).
Arbeitgeber wünschen sich seriöse Menschen, die ihre berufliche Entwicklung aufmerksam verfolgen. Das bedeutet, Ihr berufliches Netzwerk zu pflegen und Ihre beruflichen Erfolge selbstbewusst zu präsentieren.
Achten Sie darauf, auch Ihr LinkedIn-Profil aktuell zu halten. Denken Sie daran: Ihr Lebenslauf sollte Informationen enthalten, die für die konkrete Stelle relevant sind, während Ihr LinkedIn-Profil ein breiteres Publikum ansprechen und ein umfassenderes Bild Ihrer Erfahrungen und Fähigkeiten vermitteln sollte.
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